Studie: Besser als ihr Ruf – nur jede 18te Agentur lässt Google-Rezensionen löschen
Zusammenfassung der Studienergebnisse:
- 5,67 % der untersuchten Agenturen haben in den letzten 12 Monaten mindestens eine Google-Bewertung entfernen lassen
- Der Anteil der gelöschten Bewertungen ist mit durchschnittlich 0,73 % insgesamt vergleichsweise gering
- Bei Agenturen mit Löschungen steigt die Durchschnittsbewertung im Schnitt um +0,28 Sterne
- Größere Agenturen zeigen ein deutlich häufigeres Löschverhalten als kleinere Anbieter
- Freelancer verzichten in der Analyse vollständig auf das Löschen von Bewertungen
Einordnung: Warum das Thema aktuell ist
Das Thema Bewertungslöschungen auf Google Maps ist derzeit besonders relevant. Hintergrund sind neue Transparenzhinweise, die sichtbar machen, wenn Unternehmen Bewertungen aufgrund von Diffamierungsbeschwerden entfernen lassen haben. Diese Entwicklung ist eine Reaktion auf eine steigende Anzahl entsprechender Löschanfragen – insbesondere im deutschen Rechtsraum, der Unternehmen vergleichsweise niedrige Hürden für solche Verfahren einräumt.
Damit rückt auch eine zentrale Frage stärker in den Fokus: In welchem Ausmaß beeinflussen solche Löschungen die öffentliche Wahrnehmung von Unternehmen? Kritiker sehen darin das Risiko einer systematischen Verzerrung von Bewertungen, während Befürworter auf den notwendigen Schutz vor unberechtigten oder falschen Aussagen verweisen.
Vor diesem Hintergrund haben wir 995 deutsche Agenturen und Freelancer analysiert, um das tatsächliche Ausmaß dieser Praxis besser zu verstehen.
Zentrale Ergebnisse im Detail
Wie viele Agenturen löschen Bewertungen?
Die Analyse zeigt, dass 5,67 % der untersuchten Agenturen (also etwa jede 18. Agentur) innerhalb der letzten 12 Monate mindestens eine Bewertung haben entfernen lassen.
Ein differenzierter Blick offenbart deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Anbietergruppen:
- Freelancer: 0 % (bei 184 untersuchten Profilen)
- Agenturen: 5,67 % (bei 811 untersuchten Profilen)
Bemerkenswert ist zudem, dass der Anteil bei Agenturen mit mindestens 20 Bewertungen auf 9,54 % ansteigt. Dies legt nahe, dass mit wachsender Anzahl an Bewertungen auch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass einzelne negative oder problematische Rezensionen auftreten – und entsprechend häufiger angefochten werden.
Für Freelancer lässt sich daraus ableiten, dass sie entweder seltener mit problematischen Bewertungen konfrontiert sind oder bewusst auf rechtliche Schritte verzichten. Agenturen hingegen bewegen sich in einem stärker wettbewerbsgetriebenen Umfeld mit höherer Sichtbarkeit, was sowohl mehr Bewertungen als auch ein höheres Konfliktpotenzial mit sich bringt.
Aufgrund der vollständigen Abwesenheit von Löschungen bei Freelancern konzentrieren sich die weiteren Analysen ausschließlich auf Agenturen mit mindestens zwei Mitarbeitenden.
Anteil gelöschter Bewertungen
Neben der Häufigkeit von Löschungen wurde auch deren Anteil an der Gesamtzahl der Bewertungen untersucht.
- Durchschnitt über alle Agenturen: 0,73 %
- Durchschnitt bei Agenturen mit mindestens einer Löschung: 8,16 % (entspricht 3,51 Bewertungen pro Agentur)
Das bedeutet: Während über alle Agenturen hinweg nur ein sehr kleiner Anteil der Bewertungen entfernt wird (0,73 %), konzentrieren sich Löschungen stark auf einzelne Anbieter, bei denen im Schnitt rund jede zwölfte Bewertung betroffen ist. Gleichzeitig zeigt der Wert von durchschnittlich 3,51 gelöschten Bewertungen pro Agentur, dass es sich meist nicht um Einzelfälle, sondern um wiederholte Löschvorgänge handelt.
Bei der Interpretation dieser Werte ist jedoch Vorsicht geboten. Die zugrunde liegenden Daten basieren ausschließlich auf den von Google bereitgestellten Informationen zu Löschungen innerhalb der letzten 365 Tage. Der tatsächliche Anteil gelöschter Bewertungen dürfte daher höher liegen. Zudem werden die Angaben von Google nur als Spannweiten (z. B. „11–20 entfernte Bewertungen“) bereitgestellt. Für die Analyse wurde jeweils der Mittelwert dieser Spannweiten verwendet.
Einfluss auf die Durchschnittsbewertung
Ein zentraler Aspekt der Untersuchung ist die Frage, welchen Einfluss gelöschte Bewertungen auf die Gesamtbewertung haben.
Das Ergebnis: Bei Agenturen mit mindestens einer Löschung verbessert sich die Durchschnittsbewertung im Schnitt um +0,28 Sterne (auf einer Skala von maximal 5 Sternen).
Diese Berechnung basiert auf einer Simulation:
- Den bestehenden Bewertungen wurden die gelöschten Bewertungen rechnerisch wieder hinzugerechnet
- Für diese wurde ein durchschnittlicher Wert von 1,5 Sternen angenommen, da diffamierende Bewertungen typischerweise im unteren Bewertungsbereich (1–2 Sterne) liegen
- Anschließend wurde eine fiktive Durchschnittsbewertung berechnet
- Die Differenz zwischen realer und fiktiver Bewertung ergibt den durchschnittlichen Effekt der Löschungen
Bei Agenturen mit mindestens 20 Bewertungen fällt dieser Effekt mit +0,15 Sternen geringer aus. Dies lässt sich damit erklären, dass einzelne Bewertungen bei größeren Datenmengen weniger stark ins Gewicht fallen.
Segmentierung & Muster
Die aggregierten Ergebnisse zeigen bereits klare Trends. Eine weitergehende Segmentierung nach Unternehmensmerkmalen ermöglicht jedoch tiefere Einblicke in strukturelle Unterschiede.
Nach Unternehmensgröße
Mit zunehmender Unternehmensgröße steigt sowohl die Wahrscheinlichkeit von Löschungen als auch deren Anteil an den Gesamtbewertungen.
Diese Entwicklung lässt sich durch mehrere Faktoren erklären:
Zum einen verfügen größere Agenturen über eine höhere Anzahl an Kundenkontakten und damit auch über mehr Bewertungen – was die statistische Wahrscheinlichkeit negativer Rückmeldungen erhöht. Zum anderen sind größere Organisationen in der Regel stärker professionalisiert und greifen häufiger auf juristische Unterstützung zurück, um ihre Reputation aktiv zu schützen.
Eine weitere – nicht belegbare, aber plausible – These ist, dass mit wachsender Unternehmensgröße die Individualität der Kundenbetreuung abnimmt, was zu einer höheren Unzufriedenheit und damit zu mehr negativen Bewertungen führen könnte.
Nach Spezialisierung der Agentur
Auch zwischen verschiedenen Agenturtypen zeigen sich Unterschiede im Umgang mit Bewertungen.
Die meisten Agenturtypen bewegen sich nahe am Durchschnitt und zeigen keine auffälligen Abweichungen. Deutlich hervor stechen jedoch zwei Gruppen:
Werbeagenturen weisen besonders niedrige Werte auf. Dies könnte darauf hindeuten, dass klassische Agenturen ohne starken Digitalfokus Online-Bewertungen eine geringere Bedeutung beimessen.
E-Commerce-Agenturen hingegen zeigen überdurchschnittlich hohe Werte. Dies könnte einerseits durch die kleinere Stichprobe (63 Dienstleister) verzerrt sein. Andererseits ist es plausibel, dass diese Agenturen aufgrund ihrer Nähe zum Thema Produktbewertungen eine höhere Sensibilität für Rezensionen entwickeln und diese aktiver überwachen.
Fokus: Warum Agenturen besonders betroffen sind
Die Ergebnisse legen nahe, dass Bewertungslöschungen kein zufälliges Phänomen sind, sondern strukturelle Ursachen haben.
Agenturen agieren in einem stark kompetitiven Marktumfeld, in dem Reputation ein zentraler Erfolgsfaktor ist. Gleichzeitig ist die Qualität der angebotenen Dienstleistungen häufig schwer vergleichbar und stark von individuellen Projekterfahrungen abhängig. Diese Kombination begünstigt sowohl kritische Bewertungen als auch deren Anfechtung.
Hinzu kommt, dass negative Bewertungen nicht immer aus tatsächlichen Kundenerfahrungen resultieren müssen. Auch fehlerhafte oder potenziell wettbewerbsgetriebene Bewertungen können eine Rolle spielen und legitime Löschanträge nach sich ziehen.
Ein Blick auf andere Branchen unterstreicht diese Einordnung: In einer vergleichbaren Untersuchung im Bereich Freizeitanbieter lag der Anteil der Anbieter mit Bewertungslöschungen bei rund 11 % und damit etwa doppelt so hoch wie im Agenturbereich.
Insgesamt zeigt sich: Bewertungslöschungen sind ein branchenübergreifendes Phänomen, dessen Ausprägung von Faktoren wie Wettbewerbsintensität, Digitalisierungsgrad, Kundenstruktur und rechtlicher Professionalität abhängt.
💡 Unser Studiendesign
Für die vorliegende Analyse wurden insgesamt 995 Agenturen und Freelancer aus Deutschland untersucht, die jeweils über ein Google-Profil mit mindestens einer Bewertung verfügen. Die Datengrundlage umfasst öffentlich zugängliche Bewertungsinformationen sowie interne Daten aus der Datenbank von Agenturtipp.de (Stand: 28.04.2026).
Für alle analysierten Dienstleister lagen zusätzlich Informationen zur Mitarbeiterzahl vor, die für Segmentierungsanalysen genutzt wurden. Ein zentraler Bestandteil der Untersuchung sind die von Google bereitgestellten Angaben zur Anzahl der Bewertungslöschungen aufgrund von Diffamierung innerhalb der letzten 12 Monate.
Da Google keine weitergehenden historischen Daten bereitstellt, bezieht sich die Analyse ausschließlich auf diesen Zeitraum. Ziel war es, durch die Kombination aus externen und internen Daten ein möglichst belastbares Bild des aktuellen Marktgeschehens zu zeichnen.
Einordnung: Google-Änderung & rechtlicher Kontext
Mit der Einführung von Transparenzhinweisen zu entfernten Bewertungen reagiert Google auf eine zunehmende Zahl von Löschanfragen – insbesondere in Deutschland. Ziel ist es, das Vertrauen der Nutzer in die Integrität von Bewertungen zu stärken.
Der rechtliche Rahmen in Deutschland erlaubt Unternehmen, gegen Bewertungen vorzugehen, sofern diese unwahre Tatsachenbehauptungen enthalten oder als diffamierend eingestuft werden können. Gleichzeitig genügt es in vielen Fällen bereits, wenn die Authentizität einer Bewertung angezweifelt wird und keine gegenteiligen Beweise vorliegen.
Neu ist nun, dass entsprechende Löschungen sichtbar werden. Google zeigt in Form von Spannweiten an, wie viele Bewertungen in den letzten 12 Monaten aufgrund solcher Beschwerden entfernt wurden. Dadurch entsteht erstmals ein öffentlich einsehbarer Kontext für potenzielle Eingriffe in die Bewertungsbasis.
Für Unternehmen bedeutet dies eine neue Form der Transparenz: Während Löschungen bislang weitgehend unsichtbar waren, können sie nun auch reputationsrelevante Signale senden.
Fazit zur Studie
Die Ergebnisse der Studie zeichnen ein differenziertes Bild: Bewertungslöschungen sind im Agenturbereich vorhanden, aber keineswegs flächendeckend verbreitet. Mit 5,67 % bleibt der Anteil der betroffenen Agenturen vergleichsweise gering.
Gleichzeitig zeigt sich, dass Löschungen einen messbaren Einfluss auf die Durchschnittsbewertung haben können. Dieser Effekt ist zwar moderat, aber nicht zu vernachlässigen – insbesondere bei kleineren Bewertungsvolumina.
Wichtig ist jedoch die Einordnung: Eine hohe Anzahl gelöschter Bewertungen ist nicht zwangsläufig ein Indikator für mangelnde Qualität. In vielen Fällen können berechtigte Gründe vorliegen, etwa bei falschen oder nicht authentischen Bewertungen.
Mit den neuen Transparenzhinweisen von Google steigt die Sichtbarkeit dieses Themas deutlich. Für Nutzer bedeutet das: Bewertungen sollten künftig noch bewusster interpretiert werden – idealerweise im Kontext zusätzlicher Informationen.
Plattformen wie Agenturtipp.de setzen daher verstärkt auf geprüfte Bewertungen und transparente Prüfprozesse, um die Qualität von Rezensionen langfristig sicherzustellen.
Am Ende zeigt sich: Nicht jede Bewertung erzählt die ganze Wahrheit – und nicht jede gelöschte Bewertung ist ein Makel. Entscheidend ist der transparente Umgang damit.